Notfallerkennungsgerät vs. Smartphone-App
05.02.2026
Notfallerkennungsgerät vs. Smartphone-App: Was im Arbeitsalltag wirklich zählt
Arbeitssicherheit wird im Feld nicht an Prospektwerten gemessen, sondern an Verlässlichkeit unter realen Bedingungen. Deshalb kommt in Unternehmen immer häufiger die Frage auf: Reicht eine Smartphone-App (oder Smartwatch) zur Sturz- und Regungslosigkeitserkennung – oder braucht es ein professionelles Notfallerkennungsgerät?
Als Basislösung kann Smartphone-Sicherheit funktionieren. In risikobehafteten Umgebungen scheitern Consumer-Lösungen jedoch häufig an denselben Punkten: Verfügbarkeit am Körper, robuste Detektionslogik, Fehlalarmmanagement und alltagstaugliche Bedienbarkeit. Für Fachkräfte für Arbeitssicherheit ist damit klar: Es geht weniger um „App oder Gerät“, sondern um die Schutzwirkung im Gesamtkonzept.
Notfallerkennung ist kein App-Feature, sondern ein Schutzsystem
Notfallerkennung (Sturz, Regungslosigkeit, manuelle SOS-Auslösung) ist ein Detektions- und Alarmierungssystem, das in eine Rettungskette eingebettet sein muss. Ob es wirkt, entscheidet sich entlang von vier Faktoren:
Detektion: Sensitivität vs. Fehlalarmquote
Erkennt das System kritische Ereignisse zuverlässig, ohne den Betrieb durch Fehlalarme zu belasten? Eine hohe Sensitivität hilft nur, wenn die Fehlalarmquote nicht dazu führt, dass das System im Alltag deaktiviert wird.
Verfügbarkeit: Ist das System im Ereignisfall „on-body“?
Das beste System nützt nichts, wenn es im Notfall nicht am Körper getragen oder nicht aktiv ist. Verfügbarkeit ist deshalb keine Komfortfrage, sondern Grundvoraussetzung.
Alarmierung: Wer wird wann informiert – inklusive Eskalation?
Ein Alarm muss nicht nur ausgelöst, sondern auch zuverlässig an die richtigen Stellen übertragen werden. Entscheidend ist, was passiert, wenn niemand quittiert: Gibt es Eskalation, Weiterleitung, definierte Verantwortlichkeiten?
Akzeptanz/Usability: Wird das System im Alltag genutzt?
Stört die Lösung zu häufig, wird sie umgangen. Damit sinkt die reale Schutzwirkung – unabhängig von der Technik.
Smartphone-App und Smartwatch: Stärken und typische Bruchstellen
Smartphone-basierte Lösungen punkten bei Kosten und schneller Einführung. Gleichzeitig sind die Grenzen im Feld gut nachvollziehbar, wenn man die Kernrisiken systematisch betrachtet.
Niedrige Einstiegshürde
Apps sind schnell ausgerollt, Hardware ist meist vorhanden (BYOD oder Corporate), Notfallkontakte sind schnell hinterlegt. Für niedrige Risikoprofile oder als Übergangslösung kann das attraktiv sein.
Tragekonzept: „On-body“ ist nicht verhandelbar
Die zentrale Praxisfrage lautet: Ist das Smartphone im Ereignisfall am Körper? Im Arbeitsalltag liegt es jedoch häufig am Arbeitsplatz, in Taschen, in Jacken oder im Fahrzeug. Liegt das Gerät neben der Person, kann eine App den Notfall nicht erfassen – unabhängig vom Algorithmus.
Smartwatches verbessern das Tragethema, bringen aber eigene Fragestellungen mit: Batterielaufzeit, Robustheit, Bedienbarkeit mit Handschuhen, Eignung in bestimmten Arbeitsbereichen sowie IT/MDM-Vorgaben.
Sturzerkennung: idealisierte Muster vs. reale Ereignisse
Viele Consumer-Lösungen erkennen Stürze über vereinfachte Muster (Lagewechsel, Beschleunigungspeaks, Inaktivität). In der Realität sind Stürze jedoch häufig gebremst, mehrphasig oder positionsvariabel – etwa sitzend kollabiert oder eingeklemmt. Für die Bewertung entscheidend ist daher nicht „Sturzerkennung vorhanden“, sondern wie gut sie außerhalb des Idealfalls funktioniert und wie das belegt wird.
Fehlalarme: Sicherheitsproblem statt Komfortproblem
Fehlalarme stören Abläufe, erzeugen Frust und führen zu Deaktivierung – temporär oder dauerhaft. Zusätzlich sinkt die Alarmdisziplin in der Organisation, wenn „häufig falsch“ als Erfahrung verankert ist.
Regungslosigkeitserkennung vs. Ruhearbeit
Regungslosigkeit ist technisch leicht messbar, aber schwer zuverlässig zu interpretieren. Leitstand-/PC-Tätigkeit, Pausen oder konzentrierte Montage können je nach Logik als Notfall getriggert werden. Wenn das System permanent bestätigt werden muss, verliert es im Tagesgeschäft an Akzeptanz.
Professionelle Notfallerkennungsgeräte: Warum sie im Feld stabiler wirken
Professionelle Systeme adressieren die typischen Schwachstellen der Consumer-Welt nicht primär über „mehr Features“, sondern über Designprinzipien und Betriebskonzepte.
Definierte Trageposition erhöht Verfügbarkeit
Spezialisierte Geräte sind für eine feste, körpernahe Trageweise ausgelegt (Clip/Halterung). Das reduziert das Risiko des Ablegens und macht Verfügbarkeit organisatorisch überprüfbar (Trageanweisung, Sichtkontrolle, Unterweisung).
Sensorik und Signalverarbeitung sind auf Arbeitsrealität ausgelegt
Statt pauschaler Schwellwerte arbeiten professionelle Geräte häufig mit abgestimmter Sensorik und mehrstufiger Bewertung (Inaktivität → Feinanalyse → Plausibilisierung). Ziel ist eine robuste Erkennung bei gleichzeitig niedriger Fehlalarmquote – auch bei gebremsten Bewegungen oder atypischen Notfällen.
Manuelle SOS-Auslösung als robuste Rückfallebene
Nicht jeder Notfall ist ein Sturz. Deshalb ist eine schnelle manuelle Alarmierung im Ernstfall entscheidend – ohne Smartphone-Entsperren, ohne App-Navigation, auch unter Stress und mit Handschuhen.
Betriebskonzept: Alarmwege, Eskalation, Nachverfolgung
Viele professionelle Systeme sind als Gesamtlösung konzipiert: definierte Alarmketten, Eskalationsmechanismen und – je nach Setup – Protokollierung. Damit wird aus „App ruft jemanden an“ ein steuerbares Sicherheitskonzept.
Bewertungsraster für Fachkräfte für Arbeitssicherheit
Wenn intern „App vs. Gerät“ diskutiert wird, helfen klare Prüffragen für Auswahl und Gefährdungsbeurteilung.
Tragekonzept und Verfügbarkeit
-
Ist das System im Ereignisfall zuverlässig am Körper?
-
Was passiert, wenn das Gerät abgelegt wird?
-
Gibt es Halterungen, Tragepflicht, Statusprüfung?
Nachweis der Erkennungsleistung
-
Welche Szenarien wurden getestet (gebremste Stürze, sitzende Notfälle, mehrphasige Ereignisse)?
-
Gibt es belastbare Kennzahlen oder Testprotokolle zu Sensitivität/Fehlalarmrate?
-
Wie wird Ruhearbeit von kritischer Regungslosigkeit unterschieden?
Alarmierung und Eskalation
-
Wer wird alarmiert – Kolleg:innen, Leitstelle, Rufbereitschaft?
-
Gibt es Eskalation bei Nicht-Quittierung?
-
Wie verhält sich das System bei Netz-/Indoor-Problemen?
Usability im Arbeitsumfeld
-
Bedienbarkeit mit Handschuhen, unter Lärm, unter Stress?
-
Wie störanfällig ist die Lösung im Tagesgeschäft?
-
Lade- und Wartungsaufwand, Statusanzeigen, Routineprozesse?
Organisation, Datenschutz und Integration
-
Wie wird die Nutzung unterwiesen und kontrolliert?
-
Passt die Lösung zu IT/MDM/Datenschutzvorgaben?
-
Wie wird Wirksamkeit überprüft (Tests, Übungen, Auswertung)?
Fazit: „Günstig“ ist nicht gleich „wirksam“
Smartphone-Apps und Smartwatches können als Einstieg oder Ergänzung sinnvoll sein – insbesondere bei niedriger Gefährdung und hoher Tragedisziplin. In vielen realen Arbeitsszenarien scheitern sie jedoch an Verfügbarkeit, Fehlalarmmanagement und der robusten Erkennung atypischer Ereignisse.
Professionelle Notfallerkennungsgeräte überzeugen dort, wo Schutzwirkung nachweisbar sein muss: definierte, körpernahe Trageposition, robuste Sensorik, schnelle manuelle SOS-Auslösung, steuerbare Alarmkette mit Eskalation und hohe Alltagstauglichkeit.
Die Leitfrage für die Praxis lautet daher nicht „App oder Gerät?“, sondern: Welche Lösung bleibt im Alltag aktiv – und funktioniert im Ereignisfall verlässlich innerhalb der Rettungskette?
Autor :
ANGEL React by ADRESYS
Eingestellt am 05.02.2026

