EN ISO 20345 und EN ISO 20347: Was ist der Unterschied?

Sicherheitsstiefel: EN ISO 20345 vs. EN ISO 20347 – Welcher Schutz ist der richtige für dich?

Als Experte für Arbeitssicherheit in Deutschland weißt du, wie entscheidend die Wahl der richtigen persönlichen Schutzausrüstung (PSA) ist. Besonders wenn es um deine Füße geht, denn sie tragen dich durch den ganzen Arbeitstag und sind oft extremen Belastungen ausgesetzt. Zwei der wichtigsten Normen, die du in diesem Bereich immer wieder antreffen wirst, sind die EN ISO 20345 und die EN ISO 20347. Sie definieren die Anforderungen an Sicherheitsschuhe und Berufsschuhe. Doch was genau unterscheiden sie und für welchen Einsatzzweck sind sie jeweils konzipiert? Dieser Artikel bringt Licht ins Dunkel und hilft dir dabei, die richtige Entscheidung für dich und deine Mitarbeiter zu treffen.

Bevor wir uns den Unterschieden widmen, ist es wichtig zu verstehen, warum diese Normen überhaupt existieren. Stell dir vor, es gäbe keine einheitlichen Standards. Jeder Hersteller könnte behaupten, seine Schuhe seien „sicher“, ohne dass es klare Kriterien gäbe. Das wäre nicht nur Chaos für dich als Anwender, sondern auch gefährlich.

  • Schutz vor Gefahren: Arbeitsplätze bergen vielfältige Gefahren. Von herabfallenden Gegenständen über scharfe Objekte bis hin zu chemischen Einwirkungen – die Füße sind konstant Risiken ausgesetzt. Normen legen Mindestanforderungen fest, um deine Füße vor diesen spezifischen Gefahren zu schützen.
  • Gewährleistung von Qualität: Internationale Normen wie die EN ISO 20345 und EN ISO 20347 stellen sicher, dass die Schuhe getestet werden und einer gewissen Qualitätsprüfung unterliegen. Dies gibt dir Vertrauen in die Leistung und Haltbarkeit der PSA.
  • Rechtliche Konformität: In Deutschland und der EU sind Arbeitgeber verpflichtet, für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu sorgen. Die Bereitstellung von PSA, die den relevanten Normen entspricht, ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Pflicht. Durch die Einhaltung der Normen erfüllst du gesetzliche Anforderungen und minimierst Haftungsrisiken.
  • Verständlichkeit und Vergleichbarkeit: Die Normen schaffen eine gemeinsame Sprache. Du weißt, was du von einem Schuh der Klasse S1P erwarten kannst, und kannst ihn mit einem anderen S1P-Schuh vergleichen, unabhängig vom Hersteller.

Diese Normen sind also keine bloßen Buchstaben und Zahlen auf einem Etikett. Sie sind das Fundament für deine Sicherheit und die deines Teams, indem sie klare Richtlinien für Design, Material und Leistung festlegen.

Wenn du mehr über die Unterschiede zwischen EN ISO 20345 und EN ISO 20347 erfahren möchtest, empfehle ich dir, einen Blick auf diesen Artikel zu werfen: Was ist der Unterschied?. Dort findest du detaillierte Informationen, die dir helfen, die spezifischen Anforderungen und Anwendungen dieser Normen besser zu verstehen.

EN ISO 20345: Der Standard für Sicherheitsschuhe – Schutz mit integrierter Zehenschutzkappe

Die EN ISO 20345 ist die Norm, die du im Kopf haben solltest, wenn es um „Sicherheitsschuhe“ im eigentlichen Sinne geht. Diese Norm definiert die Anforderungen an Schuhe, die einen Basisschutz bieten, aber insbesondere auch vor mechanischen Gefahren durch eine integrierte Schutzkappe im Vorderfußbereich schützen.

Was sind die Kernanforderungen der EN ISO 20345?

Im Mittelpunkt der EN ISO 20345 steht die Schutzkappe (Zehenschutzkappe), die aus Materialien wie Stahl, Aluminium oder Verbundmaterialien gefertigt sein kann. Diese Kappe ist so konzipiert, dass sie einem bestimmten Druck und Aufprall standhält, um deine Zehen vor schweren Verletzungen zu bewahren.

  • Aufprallschutz: Die Zehenschutzkappe muss einem Aufprall von 200 Joule standhalten. Das entspricht dem Gewicht eines 20 kg schweren Gegenstandes, der aus einem Meter Höhe fällt. Stell dir vor, dir fällt ein Kasten Werkzeug aus dieser Höhe auf die Füße – die Schutzkappe ist dafür ausgelegt, diesen Aufprall zu absorbieren und deine Zehen zu schützen.
  • Druckschutz: Die Kappe muss auch einem Druck von 15 kN standhalten. Das ist ein erheblicher Druck, der dich vor dem Zerquetschen der Zehen unter schweren Lasten schützt, falls beispielsweise etwas Schweres auf deinen Fuß rollt.
  • Weitere Basisanforderungen: Neben der Zehenschutzkappe müssen Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345 auch weitere grundlegende Anforderungen erfüllen, wie z. B. eine entsprechende Energieaufnahme im Fersenbereich (Stoßdämpfung) und Beständigkeit gegen Durchdringung von scharfen Gegenständen durch die Sohle, abhängig von der spezifischen Schutzklasse.

Die EN ISO 20345 unterscheidet verschiedene Schutzklassen, die sich durch zusätzliche Leistungsmerkmale weiter spezifizieren. Diese Klassen sind entscheidend, um den richtigen Schuh für die jeweilige Arbeitsumgebung auszuwählen.

Die Schutzklassen der EN ISO 20345 im Detail

Um dir die Auswahl zu erleichtern, lassen wir die Klassen einmal Revue passieren. Jede Klasse baut auf der vorherigen auf und bietet spezifischen Zusatzschutz:

  • SB (Safety Base): Dies ist die niedrigste Schutzklasse nach EN ISO 20345. Sie garantiert nur den grundlegenden Schutz durch die Zehenschutzkappe (200 J Aufprall, 15 kN Druck). SB-Schuhe sind oft die einfachsten und kostengünstigsten Optionen, aber sie bieten keinen zusätzlichen Schutz vor Durchstichen oder anderen speziellen Gefahren.
  • S1: Diese Klasse umfasst die Anforderungen von SB plus eine widerstandsfähige und energieabsorbierende Fersenkappe sowie die Antistatik-Eigenschaft. S1-Schuhe sind ideal für trockene Arbeitsumgebungen, in denen keine Gefahr von Durchstichen oder Flüssigkeiten besteht.
  • S1P: Zusätzlich zu den Anforderungen von S1 verfügen S1P-Schuhe über eine durchtrittsichere Zwischensohle (meist aus Kevlar oder Stahl). Dies macht sie geeignet für Umgebungen, in denen du potenziellen Gefahren durch Nägel, Scherben oder andere scharfe Gegenstände am Boden ausgesetzt bist. Sie bieten einen sehr guten Allround-Schutz für viele handwerkliche und industrielle Tätigkeiten.
  • S2: Diese Klasse beinhaltet die Anforderungen von S1 plus Wasserundurchlässigkeit und Wasserabweisung des Obermaterials. S2-Schuhe sind daher die richtige Wahl für Arbeiten, bei denen du mit Wasser oder feuchten Umgebungen in Kontakt kommst, z. B. in der Landwirtschaft, im Gartenbau oder in bestimmten Bereichen der Lebensmittelindustrie.
  • S3: S3-Schuhe vereinen die Anforderungen von S2 (Wasserundurchlässigkeit) mit einer durchtrittsicheren Zwischensohle. Sie sind damit die vielseitigste und am häufigsten gewählte Schutzklasse für eine breite Palette von gefährlichen Arbeitsumgebungen. Sie bieten robusten Schutz gegen mechanische Gefahren, chemische Einflüsse (oftmals bedingt durch das Obermaterial) und flüssige Medien.

Weitere Klassen wie S4 und S5 sind für spezielle Gummistiefel und Überziehschuhe konzipiert, die eine höhere Schutzwirkung bei bestimmten Umgebungen wie tiefen Wasserbereichen oder chemischen Anlagen bieten. Für dich im täglichen Einsatz sind aber primär die Klassen S1, S1P, S2 und S3 von Bedeutung.

Praxisbeispiele für EN ISO 20345-Schuhe

Um das Ganze noch greifbarer zu machen:

  • Bauarbeiter: Benötigen oft S1P oder S3 Schuhe wegen der hohen Gefahr durch fallende Gegenstände, scharfe Werkzeuge und bautechnische Materialien wie Bewehrungsstahl.
  • Handwerker (Elektriker, Installateure): Je nach spezifischem Einsatz können S1P oder S3 erforderlich sein, wobei bei Arbeiten in explosionsgefährdeten Bereichen zusätzliche Anforderungen gelten können (siehe ESD).
  • Logistik und Lager: S1P Schuhe sind hier oft eine gute Wahl, um vor herabfallenden Paketen und potenziellen Durchstichgefahren durch Bodenschäden zu schützen.
  • Landwirtschaft und Gartenbau: S2 oder S3 Schuhe sind hier oft notwendig, um die Füße vor Nässe und gleichzeitig vor mechanischen Gefahren zu schützen.

EN ISO 20347: Der Standard für Berufsschuhe – Komfort und Grundschutz ohne Zehenschutzkappe

Während die EN ISO 20345 auf dem Schutz vor mechanischen Gefahren durch eine Zehenschutzkappe basiert, verfolgt die EN ISO 20347 einen etwas anderen Ansatz. Diese Norm gilt für Berufsschuhe, die so konzipiert sind, dass sie Schutz und Komfort bieten, ohne zwangsläufig eine integrierte kraftschlüssige Zehenschutzkappe zu besitzen.

Die Kernanforderungen der EN ISO 20347

Der Hauptunterschied liegt im Verzicht auf die harte Zehenschutzkappe gemäß der 200-Joule-Anforderung der EN ISO 20345. Dennoch bieten Schuhe nach EN ISO 20347 ein bestimmtes Maß an Schutz und erfüllen wichtige Komfort- und Sicherheitskriterien.

  • Keine kraftschlüssige Zehenschutzkappe: Das bedeutet, dass die Schuhe nicht explizit gegen Aufprall und Druck im Zehenbereich nach den strengen Regeln der EN ISO 20345 getestet und zertifiziert sind. Dies bedeutet aber nicht, dass sie gar keinen Schutz bieten. Manche Berufsschuhe haben verstärkte Vorderkappen aus weicherem Material, die einen gewissen Schutz gegen Abrieb und leichte Stöße bieten können, aber nicht die Zertifizierung nach EN ISO 20345 erreichen.
  • Fokus auf Komfort und Ergonomie: Berufsschuhe nach dieser Norm legen oft einen größeren Wert auf langen Tragekomfort, gute Passform und Atmungsaktivität, da sie primär für Tätigkeiten konzipiert sind, bei denen der Träger viel steht oder geht und nicht unbedingt extremen mechanischen Gefahren ausgesetzt ist.
  • Anforderungen an Basisschutz: Auch wenn sie keine Zehenschutzkappe nach EN ISO 20345 haben, müssen Berufsschuhe nach EN ISO 20347 bestimmte Basisanforderungen erfüllen. Dazu gehören z. B. die Energieaufnahme im Fersenbereich, die Rutschfestigkeit der Sohle und oft auch die Beständigkeit gegen Durchdringung von kleineren Objekten durch die Sohle.
  • Spezifische Zusatzeigenschaften: Ähnlich wie bei den Sicherheitsschuhen gibt es auch bei den Berufsschuhen verschiedene Kennzeichnungen, die sich auf spezifische Leistungsmerkmale beziehen.

Die Kennzeichnungen der EN ISO 20347 im Detail

Auch hier gibt es Klassen und Kennzeichnungen, die dir helfen, das richtige Modell zu finden:

  • OB (Occupation Base): Dies ist die Basisanforderung für Berufsschuhe nach EN ISO 20347. Sie bedeutet, dass der Schuh generell gut gefertigt ist, über eine rutschfeste Sohle verfügt und eine energieabsorbierende Ferse besitzt. Ein Schutz vor Durchdringung oder Aufprall ist hier nicht explizit definiert.
  • O1: Diese Klasse beinhaltet die Anforderungen von OB plus eine widerstandsfähige und energieabsorbierende Fersenkappe und die Antistatik-Eigenschaft. O1-Schuhe ähneln in ihren zusätzlichen Merkmalen S1-Schuhen, jedoch ohne die harte Zehenschutzkappe.
  • O1P (oder O1 PI): Zusätzlich zu den Anforderungen von O1 verfügen diese Schuhe über eine durchtrittsichere Zwischensohle. Dies ist eine wichtige Ergänzung und macht O1P-Schuhe zu einer guten Wahl für Umgebungen, in denen die Gefahr von Durchstichen besteht, aber keine starke mechanische Belastung der Zehen erwartet wird.
  • O2: Diese Klasse beinhaltet die Anforderungen von O1 plus Wasserundurchlässigkeit und Wasserabweisung des Obermaterials. O2-Schuhe sind daher ideal für feuchte Arbeitsumgebungen, in denen keine starke mechanische Gefährdung der Zehen vorliegt.
  • O3: O3-Schuhe vereinen die Anforderungen von O2 (Wasserundurchlässigkeit) mit einer durchtrittsicheren Zwischensohle. Sie bieten somit einen sehr guten Schutz vor verschiedenen Umwelteinflüssen und Durchstichen, aber eben ohne die harte Zehenschutzkappe.

Praxisbeispiele für EN ISO 20347-Schuhe

Auch hier wieder zur Verdeutlichung:

  • Gesundheitswesen und Pflege: Pflegekräfte, Ärzte und Thธิบาย: Wir haben nun die grundlegenden Unterschiede zwischen EN ISO 20345 und EN ISO 20347 erläutert. Nun wollen wir uns den wichtigen zusätzlichen Merkmalen widmen, die für die Auswahl des richtigen Schuhs entscheidend sind.

Zusätzliche Schutzmerkmale und Kennzeichnungen: Mehr als nur die Basis

Die Normen EN ISO 20345 und EN ISO 20347 legen nicht nur die grundlegenden Schutzanforderungen fest, sondern definieren auch eine Reihe von zusätzlichen Merkmalen, die je nach Arbeitsumgebung unerlässlich sein können. Diese Kennzeichnungen auf den Schuhen geben dir detaillierte Auskunft über ihre Leistungsfähigkeit.

Rutschfestigkeit (SRC, SRA, SRB)

Die Rutschfestigkeit ist ein universell wichtiges Thema, unabhängig davon, ob du Sicherheitsschuhe oder Berufsschuhe trägst. Die Normen definieren drei Stufen der Rutschfestigkeit, die durch Tests auf verschiedenen Oberflächen und mit unterschiedlichen Medien ermittelt werden:

  • SRA: Getestet auf Keramikfliesen mit Seifenlauge. Dies ist die grundlegendste Teststufe.
  • SRB: Getestet auf Stahlboden mit Glycerin.
  • SRC (Der beste Schutz): Schuhe, die sowohl die SRA- als auch die SRB-Anforderungen erfüllen, sind mit SRC gekennzeichnet. Dies ist die höchste Bewertungsstufe und bietet die beste Sicherheit gegen Ausrutschen auf den meisten gängigen Oberflächen.

Warum ist das wichtig für dich? Ganz einfach: Ein Sturz aufgrund von Ausrutschen kann zu schweren Verletzungen führen, selbst wenn der Schuh keine Zehenschutzkappe besitzt. Modelle mit SRC-Zertifizierung geben dir ein deutlich höheres Maß an Sicherheit in potenziell rutschigen Umgebungen.

Wasserdurchlässigkeit und Wasseraufnahme (WRU, WR)

Für Arbeiten in feuchten, nassen oder sogar untergetauchten Bedingungen sind wasserabweisende oder wasserdichte Eigenschaften entscheidend.

  • WRU (Water Repellence, Upper): Dieses Kürzel bedeutet, dass das Obermaterial des Schuhs eine bestimmte Zeit lang wasserabweisend ist. Es schützt also vor dem Eindringen von Wasser für eine gewisse Dauer, aber der Schuh ist nicht vollständig wasserdicht.
  • WR (Water Resistant): Schuhe mit WR-Kennzeichnung bieten eine noch höhere Beständigkeit gegen Wassereintritt und erfüllen höhere Anforderungen an die Wasserundurchlässigkeit des gesamten Schuhs.

Für wen relevant? Dies ist besonders wichtig für Dich, wenn Du regelmäßig in Außenbereichen mit wechselnden Wetterbedingungen, in der Lebensmittelverarbeitung, in der Landwirtschaft oder in Nassbereichen wie Kläranlagen arbeitest.

Chemikalienbeständigkeit

In vielen Industriezweigen kommst Du mit verschiedenen Chemikalien in Kontakt, von Säuren und Laugen bis hin zu Ölen und Fetten. Die Beständigkeit des Schuhmaterials gegenüber solchen Substanzen ist von großer Bedeutung, um die Integrität des Schuhs zu wahren und Deine Füße zu schützen.

  • Normen wie die EN ISO 20345 und EN ISO 20347 selbst legen zwar keine spezifischen chemikalienbeständigen Klassen fest, aber viele Hersteller bieten zusätzliche Informationen zur Beständigkeit ihrer Schuhe gegen bestimmte Chemikalien an. Achte auf spezielle Kennzeichnungen oder frage beim Hersteller nach, wenn Du mit spezifischen Chemikalien arbeitest.

Warum ist das wichtig? Chemikalien können Materialien angreifen, auflösen oder ihre protektiven Eigenschaften beeinträchtigen. Ein chemikalienbeständiger Schuh schützt nicht nur Deine Füße, sondern sorgt auch dafür, dass der Schuh als PSA seine Funktion lange erfüllt.

Antistatik-Eigenschaften (A)

In Umgebungen, in denen elektrostatische Aufladung ein Risiko darstellt, z. B. in der Elektronikindustrie, der chemischen Industrie oder in explosionsgefährdeten Bereichen, sind antistatische Schuhe unverzichtbar.

  • Die Kennzeichnung A (enthalten in vielen Schutzklassen wie S1, S2, S3, O1, O2, O3) zeigt an, dass der Schuh so konstruiert ist, dass er die elektrostatische Aufladung des Trägers ableitet. Dies verhindert potenziell gefährliche Funkenbildung.

Besonders wichtig für Dich: Wenn Dein Arbeitsplatz mit entzündlichen Materialien oder empfindlichen elektronischen Bauteilen zu tun hat, sind antistatische Schuhe keine Option, sondern eine Notwendigkeit.

Energieaufnahme im Fersenbereich (E)

Die Energieaufnahme im Fersenbereich ist wichtig, um Stöße und Vibrationen abzufedern, die beim Gehen und Stehen entstehen. Dies trägt erheblich zum Komfort bei und schützt Deine Gelenke.

  • Fast alle Sicherheitsschuhe und viele Berufsschuhe nach den genannten Normen müssen eine gewisse Energieaufnahme im Fersenbereich aufweisen. Dies wird oft mit dem Buchstaben E gekennzeichnet.

Was bedeutet das für Dich im Alltag? Es bedeutet weniger Ermüdung Deiner Füße und Gelenke während langer Arbeitstage. Ein Schuh mit guter Stoßdämpfung kann Rückenschmerzen und Gelenkproblemen vorbeugen.

Wenn du mehr über die Unterschiede zwischen EN ISO 20345 und EN ISO 20347 erfahren möchtest, könnte es hilfreich sein, einen Blick auf einen verwandten Artikel zu werfen. In diesem Artikel wird erklärt, wie du deinen Traumjob als Fachkraft für Arbeitssicherheit finden kannst und welche Anforderungen dabei eine Rolle spielen. Du kannst den Artikel hier lesen: Fachkraft für Arbeitssicherheit.

ESD-Schutz: Spezifische Anforderungen für empfindliche Bereiche

Kriterium EN ISO 20345 EN ISO 20347
Anwendungsbereich Du verwendest diese Norm, wenn du Sicherheitsschuhe für den gewerblichen Gebrauch herstellst. Diese Norm gilt für Berufsschuhe, die nicht als Sicherheitsschuhe eingestuft werden, aber dennoch bestimmte Anforderungen erfüllen müssen.
Schutzkappe Die Schuhe müssen eine Zehenschutzkappe haben, die einem Stoß mit einer Energie von 200 Joule standhalten kann. Es ist keine Schutzkappe erforderlich, aber die Schuhe müssen andere spezifische Anforderungen erfüllen, wie z.B. Rutschfestigkeit und Beständigkeit gegen Chemikalien.
Testverfahren Die Schuhe werden verschiedenen Tests unterzogen, um ihre Festigkeit und Schutzeigenschaften zu überprüfen. Es gibt spezifische Tests für die rutschfeste Sohle, die Beständigkeit gegenüber Chemikalien und die Ableitfähigkeit von elektrostatischer Aufladung.

Der Begriff ESD (Electrostatic Discharge) taucht häufig im Zusammenhang mit Arbeitsschuhen auf und verdient eine gesonderte Erwähnung. ESD-Schuhe sind speziell dafür ausgelegt, elektrostatische Entladungen zu kontrollieren und zu verhindern.

Wann sind ESD-Schuhe notwendig?

ESD-Schuhe sind absolut entscheidend in Bereichen, in denen sowohl die Ausrüstung als auch das Personal vor elektrostatischer Entladung geschützt werden müssen. Dazu gehören:

  • Elektronikfertigung: Hier können schon geringe elektrostatische Entladungen empfindliche Mikrochips beschädigen oder zerstören.
  • Pharmazeutische Industrie: Zur Vermeidung von Funkenbildung in Bereichen mit brennbaren Dämpfen oder Stäuben.
  • Explosionsgefährdete Bereiche: In allen Zonen, in denen die Gefahr einer Explosion durch Funkenbildung besteht.

Was unterscheidet ESD-Schuhe von antistatischen Schuhen?

Obwohl beide Arten von Schuhen darauf abzielen, elektrostatische Aufladung zu reduzieren, gibt es einen entscheidenden Unterschied in Bezug auf die Geschwindigkeit und den Grad der Entladung.

  • Antistatische Schuhe (A): Diese leiten die vorhandene Aufladung langsam ab. Sie sind gut für allgemeine Anwendungen, bei denen eine langsame Ableitung ausreicht, um eine gefährliche Aufladung zu vermeiden.
  • ESD-Schuhe: Diese sind speziell dafür konzipiert, eine wesentlich schnellere und kontrolliertere Entladung zu ermöglichen. Sie verwenden Materialien, die den elektrischen Widerstand in einem sehr engen Bereich halten (typischerweise zwischen 0,75 und 35 Megaohm), um eine sichere Ableitung zu gewährleisten, ohne dass der Träger selbst einer gefährlichen Entladung ausgesetzt ist.

ESD-Schuhe sind oft mit einem ESD-Symbol gekennzeichnet, das eine graue oder weiße Blitz-ähnliche Grafik zeigt. Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht jeder antistatische Schuh auch ein ESD-Schuh ist. Wenn dein Arbeitsplatz dies erfordert, achte explizit auf die ESD-Zertifizierung.

Wenn du mehr über die Unterschiede zwischen EN ISO 20345 und EN ISO 20347 erfahren möchtest, empfehle ich dir, einen Blick auf diesen Artikel zu werfen. Dort wird erklärt, welche Anforderungen an Sicherheitsschuhe und Berufsschuhe gestellt werden und wie sie sich in Bezug auf Schutzfunktionen unterscheiden. Es ist wichtig, die richtige Norm für deine Bedürfnisse zu wählen, um optimalen Schutz am Arbeitsplatz zu gewährleisten.

Die Wahl des richtigen Schuhs: Ein Prozess, keine einmalige Entscheidung

Nun hast du einen tiefen Einblick in die Welt der Sicherheits- und Berufsschuh-Normen erhalten. Die Entscheidung, welcher Schuh der richtige für Dich oder Deine Mitarbeiter ist, hängt von einer sorgfältigen Risikoanalyse Deines Arbeitsplatzes ab.

Schritt 1: Risikobewertung des Arbeitsplatzes

Das ist der fundamentalste Schritt. Bevor Du auch nur auf ein Schuhmodell schaust, analysiere die spezifischen Gefahren an Deinem Arbeitsplatz. Stelle Dir folgende Fragen:

  • Welchen mechanischen Gefahren bist Du ausgesetzt? (Herabfallende Gegenstände, Rollende Lasten, scharfe Objekte am Boden)
  • Welchen Umwelteinflüssen bist Du ausgesetzt? (Wasser, Nässe, Chemikalien, extreme Temperaturen)
  • Gibt es eine Gefahr durch Ausrutschen? (Welche Oberflächen, welche Flüssigkeiten)
  • Besteht die Gefahr elektrostatischer Entladung? (Elektronik, brennbare Materialien)
  • Wie lange bist Du täglich auf den Füßen? (Wichtig für den Komfort)

Schritt 2: Ableitung der benötigten Schutzklasse

Basierend auf Deiner Risikobewertung kannst Du nun die passende Schutzklasse ableiten:

  • Keine schwere mechanische Gefährdung der Zehen, aber Rutschgefahr und Feuchtigkeit: Berufsschuhe der Klasse O2 oder O3 könnten ausreichen.
  • Gefahr durch herabfallende Gegenstände und leichte Durchstichgefahr: Sicherheitsschuhe der Klasse S1 oder S1P.
  • Hohe Gefahr durch herabfallende Gegenstände, Durchstichgefahr und Kontakt mit Wasser/feuchten Umgebungen: Sicherheitsschuhe der Klasse S3 sind oft die beste Wahl.
  • Hohe Gefahr durch herabfallende Gegenstände, Durchstichgefahr in trockenen Bereichen aber mit Rutschgefahr: S1P.
  • Arbeiten in extremen Nassbereichen oder mit starken Chemikalien: Möglicherweise spezielles Schuhwerk (z. B. Gummistiefel mit entsprechenden Normen).
  • Arbeiten in ESD-kritischen Bereichen: Explizit ESD-Schutzschuhe, die entweder nach EN ISO 20345 oder EN ISO 20347 zertifiziert sind und zusätzlich die ESD-Anforderungen erfüllen.

Schritt 3: Berücksichtigung zusätzlicher Merkmale

Vergiss nicht die zusätzlichen Kennzeichnungen!

  • Brauchst du SRC-Rutschfestigkeit? Absolut empfehlenswert, wenn die Rutschgefahr hoch ist.
  • Sind WRU oder WR wichtig? Ja, wenn Du mit Nässe arbeitest.
  • Sind antistatische Eigenschaften oder ESD-Schutz zwingend erforderlich? Nur in den spezifischen Umgebungen, die wir besprochen haben.

Schritt 4: Passt und Komfort

Selbst der sicherste Schuh ist nutzlos, wenn er nicht passt oder unbequem ist. Investiere Zeit in die Anprobe!

  • Probiere Schuhe am besten am Nachmittag an, da Deine Füße im Laufe des Tages anschwellen.
  • Trage die Socken, die Du üblicherweise bei der Arbeit trägst.
  • Achte auf genügend Platz im Zehenbereich (mindestens eine Daumenbreite zwischen dem längsten Zeh und der Schuhspitze).
  • Die Ferse sollte gut sitzen und nicht ständig herausrutschen.
  • Die Schuhweite muss zu Deinem Fuß passen.

Schritt 5: Gesetzliche Vorschriften und Branchenstandards

Informiere Dich immer über die spezifischen Gesetzgebungen und Branchenstandards, die für Deinen Arbeitsbereich gelten. Deine Berufsgenossenschaft kann hier eine wertvolle Informationsquelle sein.

Fazit: Normen als Fundament Deiner Fußsicherheit

Die Normen EN ISO 20345 und EN ISO 20347 sind keine trockenen Vorschriften, sondern lebenswichtige Leitlinien, die Dir und Deinen Mitarbeitern den bestmöglichen Schutz am Arbeitsplatz bieten. Die EN ISO 20345 definiert die Anforderungen an Sicherheitsschuhe mit integrierter Zehenschutzkappe, während die EN ISO 20347 die Standards für Berufsschuhe setzt, die sich auf Komfort und grundlegenden Schutz konzentrieren.

Es ist Deine Aufgabe, die spezifischen Risiken Deiner Arbeitsumgebung genau zu analysieren und auf dieser Basis die passende Schutzklasse und die erforderlichen zusätzlichen Merkmale zu wählen. Ein gut gewählter und passender Schuh ist eine Investition in Deine Gesundheit und Dein Wohlbefinden. Zögere nicht, Experten wie uns oder Deinen Fachhändler zu konsultieren, wenn Du unsicher bist. Denn am Ende des Tages ist die Gesundheit Deiner Füße bares Geld und Deine Leistungsfähigkeit wert.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Frage: Was ist der grundlegende Unterschied zwischen EN ISO 20345 und EN ISO 20347?

Antwort: Der Hauptunterschied liegt in der Anwesenheit und dem Schutz einer kraftschlüssigen Zehenschutzkappe. EN ISO 20345-Schuhe besitzen eine solche Kappe, die vor Aufprall und Druck schützt. EN ISO 20347-Schuhe (Berufsschuhe) haben diese harte Zehenschutzkappe nicht, bieten aber dennoch Komfort und grundlegende Schutzfunktionen.

Frage: Muss ich bei der Arbeit immer Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345 tragen?

Antwort: Nicht unbedingt. Die Notwendigkeit von Sicherheitsschuhen hängt von einer Risikobewertung Deines Arbeitsplatzes ab. Wenn keine Gefährdung der Zehen durch herabfallende oder rollende Gegenstände besteht, können Berufsschuhe nach EN ISO 20347 unter Umständen ausreichend sein. Arbeitgeber sind jedoch verpflichtet, für angemessene PSA zu sorgen.

Frage: Was bedeutet die Kennzeichnung SRC bei Schuhen?

Antwort: SRC steht für die höchste Stufe der Rutschfestigkeit. Schuhe mit SRC-Kennzeichnung wurden erfolgreich auf ihre Rutschfestigkeit auf Keramikfliesen mit Seifenlauge (SRA) sowie auf Stahlboden mit Glycerin (SRB) getestet und bieten somit einen ausgezeichneten Schutz vor Ausrutschen.

Frage: Wann benötige ich ESD-Schuhe und wie unterscheiden sie sich von antistatischen Schuhen?

Antwort: ESD-Schuhe sind für Bereiche mit hoher Empfindlichkeit gegenüber elektrostatischer Entladung unerlässlich, z. B. in der Elektronikfertigung. Sie ermöglichen eine schnellere und kontrolliertere Ableitung von statischer Elektrizität als „normale“ antistatische Schuhe (die mit „A“ gekennzeichnet sind). Achte auf das spezifische ESD-Symbol.

Frage: Sind alle Schuhe der Klasse S3 wasserdicht?

Antwort: Ja, die Klasse S3 nach EN ISO 20345 beinhaltet die Anforderung der Wasserundurchlässigkeit und Wasserabweisung des Obermaterials (ähnlich WRU/WR), zusätzlich zu einer durchtrittsicheren Sohle und der Zehenschutzkappe.

Frage: Darf ich normale Freizeitschuhe bei der Arbeit tragen, wenn sie bequem sind?

Antwort: Grundsätzlich nein, es sei denn, eine spezifische Risikobewertung Deines Arbeitsplatzes hat ergeben, dass keine zusätzliche PSA für die Füße erforderlich ist. Bei den meisten Arbeitsplätzen sind normierte Sicherheits- oder Berufsschuhe gesetzlich vorgeschrieben, um Dich vor arbeitsbedingten Gefahren zu schützen.

Frage: Wie oft sollte ich meine Sicherheitsschuhe überprüfen?

Antwort: Eine regelmäßige visuelle Überprüfung auf Risse, Beschädigungen, abgenutzte Sohlen oder undichte Stellen ist ratsam. Bei offensichtlichen Beschädigungen oder wenn Du Dir unsicher bist, solltest Du die Schuhe umgehend ersetzen lassen, um Deine Sicherheit zu gewährleisten. Die Lebensdauer hängt stark von der Intensität und Art der Beanspruchung ab.

FAQs

Was ist EN ISO 20345?

EN ISO 20345 ist eine europäische Norm, die Sicherheitsschuhe definiert. Diese Schuhe sind für den Einsatz in Arbeitsumgebungen konzipiert, in denen Verletzungen durch Stöße, Quetschungen oder scharfe Gegenstände auftreten können.

Was ist EN ISO 20347?

EN ISO 20347 ist ebenfalls eine europäische Norm, die jedoch Berufsschuhe definiert. Diese Schuhe sind für den Einsatz in Arbeitsumgebungen gedacht, in denen keine speziellen Sicherheitsanforderungen gelten, aber dennoch Komfort und Schutz vor Verschmutzung und rutschigen Böden bieten müssen.

Was ist der Hauptunterschied zwischen EN ISO 20345 und EN ISO 20347?

Der Hauptunterschied liegt in den Sicherheitsanforderungen. EN ISO 20345 definiert Sicherheitsschuhe mit speziellen Schutzeigenschaften, während EN ISO 20347 Berufsschuhe ohne spezielle Sicherheitsmerkmale beschreibt.

Welche Anforderungen gelten für EN ISO 20345 Sicherheitsschuhe?

EN ISO 20345 Sicherheitsschuhe müssen bestimmte Kriterien erfüllen, wie z.B. Stoßfestigkeit im Zehenbereich, Durchtrittsicherheit, rutschfeste Sohlen und weitere spezifische Anforderungen je nach Schutzklasse.

Welche Anforderungen gelten für EN ISO 20347 Berufsschuhe?

EN ISO 20347 Berufsschuhe müssen Komfort und Schutz vor Verschmutzung und rutschigen Böden bieten, aber keine speziellen Sicherheitsmerkmale wie Stoßfestigkeit oder Durchtrittsicherheit aufweisen.

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