Viren, Bakterien und andere infektiöse Agenzien stellen Beschäftigte im Gesundheitswesen, Rettungsdienst, bei Dekontamination, Reinigung, Forensik und in Einsatzorganisationen vor besondere Herausforderungen. Entscheidend ist dabei nicht nur, dass Schutzkleidung getragen wird. Entscheidend ist, dass sie zum tatsächlichen Risiko, zum Übertragungsweg und zur Art des Kontakts passt.
Der Lakeland-Leitfaden zur Schutzkleidung gegen infektiöse Agenzien macht deutlich: Schutzkleidung ist ein wichtiger Baustein innerhalb eines vollständigen PSA-Konzepts. Sie soll verhindern, dass Kleidung und Haut kontaminiert werden und Erreger anschließend über Hände, Gesicht, Mund oder Nase weitergetragen werden.
Infektiöse Agenzien können unter anderem über Tröpfchen, Spritzer, kontaminierte Flüssigkeiten, Aerosole, Partikel oder den direkten und indirekten Kontakt mit belasteten Oberflächen übertragen werden. Besonders relevant ist das für Personen, die im Arbeitsalltag mit potenziell infizierten Menschen, Körperflüssigkeiten, kontaminierten Materialien oder belasteten Umgebungen umgehen.
Dazu zählen zum Beispiel Gesundheits- und Pflegepersonal mit engem Patientenkontakt, Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, forensische Einsatzkräfte, Reinigungsteams, Dekontaminationspersonal sowie Mitarbeitende in Notfall- und Krisensituationen.
In Europa ist EN 14126 der zentrale Standard für Schutzkleidung gegen infektiöse Agenzien. Der Standard bewertet die Widerstandsfähigkeit des Materials gegen das Eindringen biologisch kontaminierter Stoffe. Dazu gehören Prüfungen gegen kontaminierte Flüssigkeiten, biologisch kontaminierte Aerosole, mechanischen Kontakt mit kontaminierten Flüssigkeiten sowie kontaminierte Partikel.
Wichtig ist jedoch: EN 14126 betrachtet vor allem die Materialleistung. Für die tatsächliche Schutzwirkung im Einsatz ist zusätzlich die Konstruktion des Kleidungsstücks entscheidend. Dazu gehören unter anderem Nähte, Reißverschlussabdeckung, Kapuze, Bündchen und die sichere Verbindung mit weiterer PSA wie Handschuhen, Masken, Visieren oder Stiefeln.
Gerade bei infektiösen Flüssigkeiten und Körperflüssigkeiten spielt die Nahtkonstruktion eine zentrale Rolle. Einfach genähte Nähte können durch Einstichlöcher potenzielle Schwachstellen bilden. Bei höheren Risiken sind daher abgedichtete bzw. getapte Nähte und eine sicher verschließbare Reißverschlussabdeckung besonders wichtig.
Eine praxisnahe Auswahl geeigneter Schutzkleidung lässt sich in drei Schritte gliedern: Zunächst muss der mögliche Übertragungsweg bewertet werden. Geht es um Spritzer, Aerosole, Partikel, Flüssigkeitskontakt oder stärkere Flüssigkeitseinwirkung? Danach sollte geprüft werden, welche EN-14126-Klassifizierungen das Material erreicht. Im dritten Schritt wird der passende Schutzkleidungstyp ausgewählt.
Die CE-Typen geben Orientierung, gegen welche Art von Einwirkung ein Schutzanzug konstruktiv geprüft wurde. Type 6 steht für begrenzten Schutz gegen leichte Flüssigkeitsaerosole, Type 5 für Schutz gegen gefährliche trockene Partikel, Type 4 für Schutz gegen Flüssigkeitssprays und Spritzer, Type 3 für Schutz gegen starke Flüssigkeitsstrahlen und Type 1 für gasdichte Schutzkleidung gegen Gase und Dämpfe.
Im Zusammenhang mit Infektionsschutz ist besonders die Kombination aus passender Typ-Zertifizierung und EN 14126 relevant. Ein Schutzanzug mit der Kennzeichnung Type 4(B) steht beispielsweise für Schutz gegen Flüssigkeitssprays in Verbindung mit einer Prüfung gegen infektiöse Agenzien. Das „B“ weist dabei auf die biologische Schutzprüfung hin.
Für Anwendungen mit hoher Flüssigkeitsbelastung oder kritischem Infektionsrisiko reicht es deshalb nicht aus, allein auf das Material zu achten. Auch die Verarbeitung des gesamten Kleidungsstücks muss zum Risiko passen. Eine Schutzkleidung mit abgedichteten Nähten, sicherem Frontverschluss, geeigneter Kapuze sowie elastischen Abschlüssen an Hand- und Fußgelenken kann in solchen Szenarien einen wichtigen Unterschied machen.
Die Lakeland-Unterlagen zeigen außerdem, dass die Auswahl immer im Zusammenspiel mit weiterer PSA betrachtet werden muss. Handschuhe, Atemschutz, Gesichtsschutz, Stiefel und Schutzanzug müssen so kombiniert werden, dass keine kritischen Übergänge entstehen. Gerade an den Verbindungen zwischen Ärmel und Handschuh, Kapuze und Maske oder Beinabschluss und Stiefel können Schwachstellen entstehen, wenn die PSA nicht korrekt ausgewählt, angelegt oder abgedichtet wird.
Ebenso wichtig wie die Auswahl ist die korrekte Anwendung. Schutzkleidung muss in der passenden Größe getragen, korrekt angelegt, vollständig geschlossen und vor dem Einsatz überprüft werden. Auch das Ablegen nach dem Einsatz ist sicherheitskritisch, da hierbei eine Kontamination von Händen, Kleidung oder Umgebung vermieden werden muss.
Aus dem Lakeland-Portfolio werden je nach Einsatz unterschiedliche Schutzlösungen genannt. Dazu gehören unter anderem MicroMax® NS Global für Type 5/6-Anwendungen, MicroMax® TS Global bzw. MicroMax® TS mit getapten Nähten für Type 4-Anwendungen, ChemMax® 1 für kritischere Bereiche mit höherer Flüssigkeitsbelastung sowie Interceptor® Plus für sehr hohe Gefahrenlagen mit gasdichter Schutzanforderung.
Die passende Schutzkleidung darf jedoch nie pauschal ausgewählt werden. Entscheidend sind immer der konkrete Erreger, der mögliche Übertragungsweg, die Art und Dauer des Kontakts, die Umgebung, die Tätigkeit sowie die Kombination mit weiterer persönlicher Schutzausrüstung. Die finale Auswahl sollte deshalb immer auf Basis einer fachkundigen Gefährdungsbeurteilung erfolgen.
Fazit: Schutzkleidung gegen infektiöse Agenzien ist mehr als ein Einweganzug. EN 14126 liefert wichtige Informationen zur Materialleistung. Erst in Kombination mit dem passenden CE-Typ, einer geeigneten Konstruktion, sicheren Nähten, korrekt abgedichteten Übergängen zu weiterer PSA und sauberem An- und Ablegen entsteht ein belastbares Schutzkonzept für den jeweiligen Einsatz.
